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Jette Jordbaer

von Jette Jordbaer, veröffentlicht: Sonntag, 11. Oktober 2026, 21:48 Uhr


  1. Fauch, spuck
  2. Wer zu spät kommt...
  3. Große Irrfahrt ins Ungewisse
  4. Das schulische Labyrinth
  5. Der letzte Rest vom Schützenfest
  6. Siegerehrung
  7. Fazit
  8. Verabschiedüng
  9. Meine Bücher

Fauch, spuck

Na ja, dachte ich mir heute. Ich glaube, es ist wieder an der Zeit, ein kleines Blogpöstchen in die Welt zu setzen. Kann es sein, dass ich den September mit nur einem einzigen Artikel verlassen habe? Hm.

Ich denke, da is was dran. Wenn der Blues einen einmal in seinen Pfoten hält, dann isses sehr schwer, sich als Maus daraus zu befreien. Ich habe gekämpft. Und gekämpft. Und mit ihm gerangelt. Mit Mr. Blues. Er wollte mich einfach nicht gehen lassen. Und da habe ich zugebissen. Mit meinen beiden Vorderzähnen. Und der Blues hat einen Buckel gemacht und wild miaut und gefaucht und gekreischt und gezischt und gespuckt und mich vor Schmerz und Schreck losgelassen. Und ich bin gerannt. Gesprungen und gerannt und gerannt - um mein Leben gerannt - und hab mich in meinem Mauseloch vor ihm verkrochen. Bis er irgendwann abgezogen ist und mich endlich in Ruhe gelassen hat.

Ja, und jetzt sitze ich hier und schreibe friedlich und endlich, endlich an diesem Post an meinem Laptop.

Wer zu spät kommt...

Kennst du dieses Sprichwort? Wer zu spät kommt, der bekommt nur noch die Hälfte mit. Oder noch nicht mal. Vielleicht bekommt er viel weniger. Oder gar nichts?

So ist es auch mir an diesem Wochenende gegangen. Ich war am Freitag zu lange aufgeblieben. Bis weit nach Mitternacht. Obwohl ich am darauffolgenden Tag früh aufstehen und dann frühstücken und mich sofort auf die Beine machen wollte.

Aber wie es so ist ... Nein, ich bin am Samstagmorgen um sechs Uhr per Handywecker aufgewacht und auch aufgestanden. Dann habe ich geduscht und habe mein Frühstück eingenommen. Und dann habe ich im Internet gesurft und noch irgendwas in einem Buch nachgeschlagen. Und dann hatte ich plötzlich Eingebungen. Oh - oooooh! Ideen! Die musste ich sofort zu Papier bringen. Das Niederkritzeln in mein Heft hat sicher mehr als eine halbe Stunde gedauert. Und ehe ich mich versah, war es schon so wahnsinnig spät! Die Zeit, sie rast... Verdammt, verdammt, habe ich mir gesagt. Warum nur? Warum hast du die Zeit so verplempert? Du Hornochse, du. Bist du eigentlich bescheuert? Bescheuert deshalb, weil so eine Fechtmeisterschaft oder so ein Turnier, das ich mir anschauen wollte, nicht alle paar Tage stattfindet, also, zumindest nicht in meiner Nähe.

Ich wollte doch etwas unternehmen. Eine Stadtmeisterschaft im Fechten wollte ich mir anschauen und dazu mit dem Zug hinfahren. Und alles frühzeitig mitbekommen. Wie die Fechter und Fechterinnen noch in Zivil in die Turnhalle einmarschierten und sich anmeldeten. Dabei registrierten sie sich offiziell und gaben ihren Fechtausweis (also, den Wettkampfausweis) vor Beginn des Turniers ab, um zu verkünden, dass sie erschienen wären, um sich einem Gefecht zu stellen, sich vorher aber noch gebührend und wie die Regeln und die Kleiderordnung es vorschrieb sich angemessen in Schale zu werfen. In weiße Montur, mit Schutz vor dem Gesicht und einem Florett, Degen oder Säbel in den Händen, denn es wurde ja in jeder Disziplin gefochten. Menschen jeglichen Alters durften teilnehmen. Von U9 bis AK70, also von den unter neun-jährigen bis zur Altersklasse der siebzigjährigen.

Große Irrfahrt ins Ungewisse

Tja, und was habe ich mitbekommen? Nun, erst mal ganz von vorne. Ich bin tatsächlich losgefahren. Ich war ja schon spät dran. Und diese Weltmeisterschaft, äh, pardon, diese Stadtmeisterschaft ging bis exakt 12 Uhr.

Ich bin also zum Bahnhof gefahren, halt, Moment, ich muss noch was dazwischenschieben. Weil ich noch etwas Zeit hatte, bevor mein Zug losfuhr, bin ich vorher noch kurz und schnell in die Bücherei gegangen und habe ein Hörbuch abgegeben, wofür ich sonst eine Strafe hätte zahlen müssen, wenn ich es denn nicht getan hätte, und dann bin ich zum Gleis gewetzt, aber ... wie es kommen muss: Mein Zug hatte circa eine halbe Stunde Verspätung. Auch das noch.

Nachdem der Zug ärgerliche dreißig Minuten später gekommen war und mich spät aber unbeschadet an den richtigen Ziel-Bahnhof gebracht hatte, musste ich noch in einen Bus umsteigen. Die Fahrzeit war nicht sehr lang, es waren nur vier Haltestellen. Doch wusste ich erst einmal nicht, wie ich von der Bushaltestelle zu dieser Turnhalle, wo die Meisterschaft stattfand und die zu einer Schule gehörte, kommen sollte.

Als ich das Schulgelände endlich erreicht hatte, merkte ich, dass ich zwei Bushaltestellen vorher hätte aussteigen können. Ich war also an dem Zielort - ohne, dass ich es gewusste hatte - vorbeigefahren. Wie blöd kann man sein?

Dabei schwöre ich, dass ich über google maps sehr genau hingeschaut hatte, doch die perfekte Haltestelle trotzdem nicht getroffen hatte. Im Nachhinein wusste ich es nun besser. Na ja, vielleicht das nächste Mal.

Das schulische Labyrinth

Da das Schulgelände sehr, sehr groß und weitläufig war (mit mehreren Flachhausdach-Komplexen - sagt man das so? - und einem Sportplatz, der für meine Begriffe für eine Schule gigantomanische Ausmaße einnahm), und ich mich nicht auskannte - es war nichts ausgeschildert, nirgendwo stand ein: Hallo, Besucher, hier findet ein Fechtturnier statt (weil natürlich alle Eltern und Bekannte und Freunde, die es betraf, eingeweiht waren und wussten, wo das "Event" stattfindet - nur nicht ich) - irrte ich eine Weile in diesem Labyrinth an Gebäuden umher.

Ich versuchte zu schauen, in welchem dieser quadratisch-rechteckig-verwinkelten Bauwerke vielleicht ein Licht brannte oder versuchte darauf zu achten, ob ich quietschene Turnschuhe oder Gelächter oder irgendwelche sonstigen Stimmen oder Gesprächsfetzen aufnahm, um zu ermitteln, wo denn nun diese verdammte Welt-Stadt-Meisterschaft stattfand.

Auf einem großen, grau-betoniert-verwaisten Schulhof sah ich schließlich eine einzelne Mutter mit einem circa sechs- oder siebenjährigen Kind stehen und fragte sie, ob sie wüsste, ob hier irgendwo ein Fechtturnier stattfand. Sie zuckte ratlos mit den Schultern, schüttelte den Kopf: "Keine Ahnung."

Oha! Da sah man, wie sehr sich die Welt fürs Fechten interessierte. Diese absolute Begeisterung und Leidenschaft, die in dieser Antwort mitschwang... Aber vielleicht hatte ich mich ja auch getäuscht. Es war so entsetzlich still hier. Und das ganze Gelände sah so schrecklich leer aus. Vielleicht fand hier ja auch gar nix statt. Oder ich war einfach schon viel zu spät dran, und die waren schon längst fertig und hatten ihre Klingen schon längst gewetzt und wieder eingepackt.

Trotzdem. Nein, ich wollte nicht aufgeben. Jetzt war ich hierhergefahren und hatte mich bis hierher durchgeboxt, jetzt würde ich die Arschbacken zusammenkneifen und dieses verdammte Fechtturnier ausfindig machen, koste es, was es wolle.

Die Frau erklärte mir dann, dass sie nichts von einem Turnier wüsste, aber wenn so was stattfinden würde, dann vermutlich in der Turnhalle.

"Aha, ja, und wo ist die?", fragte ich.

"Wenn Sie da runter gehen", sie deutete mit dem Kopf in eine Richtung, "immer geradeaus da runter, da ist die."

"Okay, danke."

Ihre Richtungsangabe und mein Bauch-Kompass leiteten mich auf ein Gebäude zu, und tatsächlich! Da standen Erwachsene in einem Bauwerk, das wie eine Turnhalle aussah und dessen Glastüren nur angelehnt waren.

Ich marschierte hinein, an einem mit köstlichen Proviant berstenden U-förmig aufgebauten Theken-Tisch vorbei - (Kaffee, Muffins, Überbackenes) - die obligatorische Stärkungstheke für Fechter und Angehörige - durch eine weitere Glastür, und da waren sie! Die Fechter! In der Halle. Mit Zuschauern, die am Rande der Halle auf dem Boden hockten. Ich hingegen stand mit anderen Angehörigen auf der Empore und blickte in die Halle hinunter.

Der letzte Rest vom Schützenfest

Es war zwanzig vor zwölf, wie ich von der Uhr, die in der Wandmitte der Halle angebracht war, entnahm. Verdammt. Tja, da gabĀ“s nichts dran zu rütteln. Fakt war: Fünf Minuten bekam ich nur noch vom Fechten mit. Denn jetzt liefen nur noch die letzten beiden Gefechte. Ich glaube, es war ein Kampf zwischen zwei 10- oder 11-jährigen (Mädchen und Jungen), und ein Gefecht zwischen zwei dreißjährigen, Mann und Frau.

40-,50-, 60- oder 70-jährige sah ich nirgendwo unter den Fechtern, nur unter den Zuschauern. Stolze Omas und Opas und genauso stolze Mütter und Väter. Und geknickte, enttäuschte 15 oder 16-jährige Fechter mit hängenden Schultern. Die, die sich nicht ganz so gut geschlagen hatten. Das konnte man ihrer Haltung und Mimik anmerken.

Aber verdammt. Warum war ich nicht früher angereist, um das Spektakel in voller Länge zu verfolgen?! Doch genoss ich es, diese paar Minuten Fecht-Luft schnuppern zu dürfen. Und ich bekam die Siegerehrung mit.

Siegerehrung

Alle Fechter und Angehörigen verteilten sich im hinteren Teil der Halle in einem Kreis, wahrscheinlich um die Organisatorin herum, die die Namen der Sieger in den unterschiedlichen Altersklassen verkündete. Und die meisten Gewinner waren Kinder. Die erwachsenen Fechter gingen leer aus. Die jungen Fechter aber bekamen unter lautem Geklatsche und Freuden-Gejohle eine funkelnde Medaille und eine Urkunde ausgehändigt und sprangen auf Kästen, die wie ein Siegertreppchen aufgebaut waren, um sich fotografieren und gebührend feiern zu lassen. Am Ende gab es dann noch mal ein großes Gruppenfoto mit allen Gewinnern der Stadtmeisterschaft.

Fazit

Wirklich, ein sehr schönes Erlebnis, und ich bereue nicht, dass es nur zwanzig Minuten dauerte und dass es nur zwanzig Minuten waren, die mir an diesem Tag vergönnt blieben. Komme ich nun zum Titel meines Blogposts und zu meinem Resümee: Wer zu spät kommt, den bestraft eben nicht immer das Leben. So!

Verabschiedüng

Und mit diesem springenden Punkt kommen wir sofort und ohne Finte zur Verabschiedüng. Ich wünsche dir an dieser herrlich-blitzenden Stelle einen guten Morgen, einen herrlichen Mittag oder Nachmittag, einen wunderschönen Abend oder eine entspannte Nacht, wann immer du dir diesen kleinen Blogpost gerade reingezischt hast :)



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Meine Bücher

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Jette Jordbaer

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